STÖRFAKTOR#-Reihe

STÖRFAKTOR# - Vortragsreihe

STÖRFAKTOR ist eine Vortragsreihe der Gleichstellung der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe mit dem Fokus auf Antirassismus und Intersektionalität. Veranstalter ist die Gleichstellung und die Gleichstellungsbeauftragte an der Kunstakademie Karlsruhe.

 

STÖRFAKTOR #01: What if there was enough water

Bei der ersten Veranstaltung der Reihe zeigte Minh Duc Pham eine Performance mit anschließendem Gespräch, moderiert von Carmen Westermeier.

6. Dezember 2023

Ausgehend vom vietnamesischen Sprichwort "còn nước còn tát" (= solange es Wasser gibt, sollst du es schöpfen) begab sich Pham in seiner künstlerischen Arbeit auf die Suche nach den Spuren konkreter sowie diffuser Erinnerungen und Gedanken. In der Performance A High Mountain, A Sweet Dream verhandelte Pham die Frage um Existenz und Erbe. Wenn sich der Lauf der Dinge unerwartet ändert, werden Ordnungen und Hierarchien durcheinandergebracht

Pham, Minh Duc (geb. in Schlema, Deutschland, 1991) ist Künstler und lebt in Berlin. Pham absolvierte 2019 ein Diplomstudium in Ausstellungsgestaltung und Szenografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und studierte als Gast Performance sowie Designtheorie an der Universität der Künste Berlin. In seinen Arbeiten in den Bereichen Bildende und Darstellende Kunst beschäftigt sich Pham mit dem Thema Identität im Spannungsfeld von Gender, Race und Klasse.

 


 

STÖRFAKTOR#02 Mary Maggi: I’m a Shapeshiftig B*itch

11. Juli 2024

Mary Maggic ist eine nicht-binäre Künstlerin. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Biotechnologie, kulturellem Diskurs und zivilem Ungehorsam. Ihre Werke bestehen aus dokumentarischen Videos, Arbeiten nach wissenschaftlicher Methodik, öffentlicher Workshopologie, Performance und Großinstallation. Mary Maggic hatte Ausstellungen und Auftritte u.a. im Haus der Kulturen der Welt (Berlin), OK Center (Linz), Haus der elektronischen Kunst (Basel), Jeu de Paume (Paris), Institute of Contemporary Arts (London) und Spring Workshop (Hong Kong).

 


 

STÖRFAKTOR#03 Franzis Kabisch: Wie sehen Abtreibungen aus?

12. November 2024

Über künstlerische und wissenschaftliche Forschung zu Abtreibungen in Filmen, Serien und Medien

Wie forscht man zu einem Thema, das gesellschaftlich stigmatisiert und auch oft unsichtbar gemacht wird? Welche Bilder und Narrative findet man dazu (nicht) in Archiven, Zeitungen und dem kollektiven, kulturellen Gedächtnis? Welche Vorteile und welche Nachteile hat dabei die Kombination aus künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung?

Die Filmemacherin und Kulturwissenschaftlerin Franzis Kabisch gab Einblicke in ihre seit 2019 laufende Arbeit zum Thema Abtreibung und seinen Darstellungen. Neben einer wissenschaftlichen Promotion arbeitet sie auch an einem Found-Footage-Dokumentarfilm und anderen künstlerischen Projekten: ihr Kurzfilm „getty abortions“ lief auf Filmfestivals und wurde auf dem DOK Leipzig 2023 mit der Goldenen Taube ausgezeichnet. Im Rahmen der STÖRFAKTOR-Reihe bestand die Gelegenheit, den Film zu schauen und anschließend über Abtreibungsbilder, Macht und die damit zusammenhängenden "emotional scripts" (Millar 2017) zu diskutieren.

 


 

STÖRFAKTOR#04 Kavachi: A Rainbow through the Eye of a Needle (in English)

21. November 2024

Kavachi, born in 1989 in Turkey, is an artist living and working in Grub am Forst, a village located between two hills in Oberfranken. In 2018, he received an MFA in Public Art and New Artistic Strategies from Bauhaus Universität Weimar. He is interested in the performative and emotional aspects of everyday life, often drawing from personal experiences. Kavachi collects textiles from friends, family, and their networks, integrating these materials into his work to create new narratives.

 In his upcoming performance, he invites the audience to join him in pushing threads of different colors through the eye of a needle together. Later, he will present his works, focusing on themes of community, labor, migration, and queer identity. At the end of his talk, he will read a passage from the book Too Loud a Solitude by Bohumil Hrabal. The session will conclude with an open discussion. His works have been shown in several exhibitions and festivals

 


 

STÖRFAKTOR#05 Hannah Wahl: Radikale Inklusion: Raum geben – Raum nehmen

8. Juli 2025

Hannah Wahl ist (Film-)Autorin, Journalistin und Historikerin in Wien. 2023 veröffentlichte sie die Streitschrift Radikale Inklusion. Ein Plädoyer für Gerechtigkeit im Leykam Verlag. Als Mitgründerin des Filmpreises Mabacher Award und dem Projekt Filmklusiv setzt sie sich für Inklusives Filmschaffen und Inklusion in der Filmbranche ein. Seit 2025 arbeitet sie für die Expertinnen-Datenbank Frauendomäne im Bereich Kommunikation, User Experience & Accessibility.

Ein radikaler Blick auf Inklusion ermöglicht es, neue Perspektiven einzunehmen und verlangt von uns, eigene Denkweisen zu hinterfragen. Es geht nicht darum, wie viel Inklusion wir (uns) leisten können, sondern darum, wie wir als Gesellschaft unserer menschenrechtlichen Pflicht nachkommen. Eine Beschleunigung und Durchsetzung konsequent inklusiver Prozesse in allen Lebensbereichen werden damit zur Pflicht. Damit verbunden ist ein systemkritischer Blick, der den Kapitalismus und Neoliberalismus als zentrale Barrieren ausmacht. Gibt es in diesem System Raum für Inklusion?

Radikale Inklusion bedeutet mehr als den Zugang zu bestehenden Räumen, also die gleichschlechte Teilhabe am System. Im Zentrum steht die Frage: Wie gestalten wir als Gesellschaft lebenswerte Räume für alle?

Es wird auf die Konsequenzen, die medizinisch-defizitorientierte Sichtweisen auf Behinderungen haben und u.a. auf das menschenrechtliche Modell eingegangen. Was bedeutet es für den Bereich der Inklusion, wenn Menschen mit Behinderungen als „Sozialthematik“, als Menschen mit „besonderen Bedürfnissen“ wahrgenommen werden? Inwiefern begründet sich darauf die Aussonderung in angebliche „Schutzräume“ und der Erhalt von Parallelwelten? Raum wird nicht nur im Kontext von räumlicher Barrierefreiheit betrachtet: Ausgehend von menschenrechtlichen und ethischen Verpflichtungen, wird das Einnehmen von Raum als Machtausübung verstanden. Räume sind nie neutral. Was bedeutet „Gatekeeping“ in diesem Kontext? Radikale Inklusion erfordert das Hinterfragen von Machtstrukturen und Deutungshoheiten, sowie die Schaffung von Räumen, in denen sich Menschen mit und ohne Behinderungen auf Augenhöhe begegnen können und wollen.

Inklusion funktioniert nicht ohne Menschen ohne Behinderungen. Darum wird auch auf die Rolle von Verbündeten und Allyship eingegangen: Inwiefern ist Raum geben auch ein wichtiger solidarischer Akt? Radikal-inklusive Reflexion bedeutet auch praktische Handlungen anzustoßen und Bedingungen für eine gerechte Gesellschaft für alle aktiv zu gestalten – eine Gesellschaft, in der nicht nur Raum eingenommen wird, sondern auch Raum gegeben wird

 


 

Störfaktor#6 Stefanie Seibold: Mothers of Invention, where is performance coming from

 4. Februar 2026 

Stefanie Seibold, Künstlerin und Lehrende an der Akademie der bildenden Künste in Wien, spricht mit dem Studierenden Sertaç Özdemir über ihre langjährige kuratorische und publizistische Praxis in Bezug auf Performance und Performance-Geschichte. Der Schwerpunkt wird dabei auf Performances und Projekten mit queer-feministischen Bezügen in und um Wien seit den 1960er Jahren gelegt.

 Stefanie Seibold arbeitet mit Performance, Installation, Objekten, Archiven, Video und Text. Sie verwendet hierbei diverse künstlerische Strategien wie Recherchen, Publikationen und kuratorische Arbeit. Ihre Werke wurden durch Preise und Stipendien seitens der Jan van Eyck-Academy in Maastricht, dem DAAD und dem österreichischen Bund gefördert. Ihre Arbeiten befinden sich u.a. in Privatsammlungen, im Besitz der Stadt Wien und in der Sammlung Verbund in Wien. Sie waren bisher u.a. im de Appel Arts Center, Amsterdam, MuhKa, Antwerpen, Museum Moderner Kunst, Wien, Akademie der Künste, Berlin und im Württembergischen Kunstverein, Stuttgart zu sehen. Stefanie Seibold unterrichtet an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo sie zuletzt als erste Professor*in den Studiengang Gender und Space gegründet und benannt hat.

 


 

STÖRFAKTOR#7 Nora Sternfeld:  Kunst als kollektive Wissensproduktion

30. April 2026

„Was soll das eigentlich heißen, Kunst als kollektive Wissensproduktion?“ Diese Frage stellen die Künstlerin und Pädagogin Anja Steidinger und die Kunstvermittlerin, Kuratorin und Theoretikerin Nora Sternfeld im programmatischen Text ihrer gleichnamigen Publikation und blicken dabei auf ihre gemeinsame kunstpädagogische Praxis an der HFBK Hamburg von 2020 bis 2026 zurück.  Ausgehend von dem Band, der vor wenigen Monaten im Material Verlag der HFBK Hamburg erschien, nimmt Nora Sternfeld diese Frage noch einmal zum Ausgangspunkt ihrer Auseinandersetzung: Dabei begegnen wir künstlerischen, kollektiven und experimentellen Wissenspraktiken von der sowjetischen Avantgarde bis zur documenta fifteen, reflektieren des Verhältnis von Kunst, Wissen und Kollektivität zwischen Repräsentation und Präsenz und fragen auch nach dem „als“ in dieser Gleichung.“

Nora Sternfeld ist Kunstvermittlerin und Kuratorin. Sie ist Professorin für Kunstpädagogik an der HFBK Hamburg. Von 2018 bis 2020 war sie documenta Professorin an der Kunsthochschule Kassel. Von 2012 bis 2018 war sie Professorin für Curating and Mediating Art an der Aalto University in Helsinki. Darüber hinaus ist sie Co-Leiterin des /ecm – Studienprogramm für Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien, im Kernteam von schnittpunkt. ausstellungstheorie & praxis, Mitbegründerin und Teil von trafo.K, Büro für Kunst, Vermittlung und kritische Wissensproduktion (Wien), seit 2022 ist sie Teil von INGLAM – Inglourious Art Mediators – eine Band für Lecture Performances (Hamburg) und seit 2011 Teil von freethought, Plattform für Forschung, Bildung und Produktion (London). In diesem Zusammenhang war sie auch eine der künstlerischen Leiter:innen der Bergen Assembly 2016 und  arbeitete von 2020-2022 an „Spectral Infrastructure“ – einem Forschungskontext in Kooperation mit der basis voor actuele kunst (BAK, Utrecht). Sie publiziert zu Kunst, Bildungstheorie, Ausstellungen, Geschichtspolitik und Antirassismus.