Gleichstellungssymposien
Talking Back – Diskriminierung entgegenwirken.
22./23. November 2023
Was bedeuten Machtstrukturen in Kunst, Akademie und Alltag? Wo werden sie spürbar und wie beeinflussen sie unser alltägliches Handeln?
Talking Back bezieht sich auf den Titel einer Aufsatzsammlung der Autorin bell hooks. In der Beschreibung ihrer Titelwahl heißt es: „bell hooks was taught that “talking back” ment speaking as an equal to an authority figure and daring to disagree and/or have an opinion.” Diesem Ansatz des Entgegensprechens ist auch das Symposium verpflichtet, das auf Initiative der Gleichstellungsbeauftragten und der Gleichstellungskommission der Akademie veranstaltet wurde.
Das Symposium war damit zunächst eine Zuspitzung bereits laufender Künstler*innen-Vorträge im Auftrag der Gleichstellung, die emanzipatorische Strukturen in Kunst, Literatur und Gesellschaft besprechen. Weiter war das Symposium zu Beginn des Wintersemesters 2022 als Auftaktveranstaltung kommender und sich gerade organisierender Gesten des Widerstands gegen tradierte Machtstrukturen in Studium und Lehre zu betrachten.
In einem Dreiklang interdisziplinärer Positionen aus (Kunst)Wissenschaft, künstlerischer Praxis und praxisnahen Aktivismus soltlen bestehende Diskurse der Machtbesetzung diskutiert, Problemfelder vorgestellt sowie Handlungsstrategien und Öffnungswege angedacht werden. Das Symposium folgte der impliziten Handlungsaufforderung bell hooks, die den Übergang vom Schweigen zum Reden als eine erste emanzipatorische Geste ansieht, die neue Wege ermöglicht.
Wie können sich Akteur*innen des Kunstsektors, insbesondere Studierende, in hierarchischen Systemen zurechtfinden bzw. hierarchische Strukturen erkennen und in ihnen agieren? Welche Ansätze gibt es in Kunst und Wissenschaft? Um diese Fragen ging es. Die Initiator*innen zeigten sich insbesondere an einer interdisziplinären Ausrichtung interessiert, die das Thema Macht aus unterschiedlichen soziologischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Blickwinkeln betrachteten. Die Beiträge des Symposiums sollten sich auf Felder des Auftauchens von Macht und ihrem Missbrauch in Kunst, Kultur und Gesellschaft beziehen und dabei ggf. Diskurse der möglichen Umstrukturierung anregen.
Veranstalter*innen:
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Die Gleichstellungsbeauftragte: Prof. Ulla von Brandenburg
Tutorin: Ninya Lehrheuer
Mitarbeit: Carolin Heel
Unbequem bleiben: Ein rassismuskritisches Symposium
Die Gleichstellung der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe veranstaltete ein interdisziplinäres Symposium mit Workshops, Vorträgen und Ausstellung zum Thema Rassismuskritik.
18. Januar 2024
Zum zweiten Mal richtet die Gleichstellung der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe ein Symposium aus, welches einen dezidierten Fokus auf Antirassismus und Rassismuskritik setzt.
Alle Akteur*innen im Felde der Kunst, Theorie und Bildung sind eingebettet in unsere Gesellschaft, deren Rassismus systematisch in politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Strukturen verwurzelt und oft intersektional wirksam ist. So halten auch Kunsthochschulen diskriminierende Praktiken, Politiken und Strukturen aufrecht. Das zeigt sich besonders in der dominanten Präsenz weißer Positionen in Kunst und Kultur. Es stellt sich die Frage, warum der tradierte Kanon, der an Kunsthochschulen meist gelehrt wird, oft keine kritische Auseinandersetzung mit anderen kulturellen Perspektiven zulässt?
Daher hatten die Organisiator*innen des Symposiums das Anliegen einen Impuls zu setzen und inhärente Vorbehalte genauer unter die Lupe zu nehmen, Perspektiven für BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) zu entwickeln und antirassistische Strategien zu initiieren. Gemeinsam wollten die Teilnehmer*innen Stereotypen und Strukturen aufbrechen sowie die Notwendigkeit einer Dekolonialisierung unterstreichen und die Implementierung antirassistischer Handlungskompetenzen an der Akademie fördern.
Die Teilnehmer*innen konnten zwischen zwei Workshops wählen, die sich dem Empowerment von BIPoC und dem Schmieden von Bündnissen zuwandten. Zeitgleich gab es einen Reflexionsraum für weiße Personen mit Übungen und Leseecke. Anschließend fanden drei Fachvorträge statt. Den ganzen Tag über konnte eine begleitende Ausstellung im Lichthof besucht werden. Organisiert vom ZAD (Zusammen Antidiskriminierung) wurden studentische Arbeiten gezeigt. Der Titel "Unbequem bleiben"war angelehnt an Donna Haraways Buchtitel "Staying with the Trouble" (dt. "Unruhig bleiben").
Das Symposium signalisierte, dass sich die Akademie aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen muss, selbst wenn es unangenehm, oder auch herausfordernd oder schwierig wird.
Veranstalter*innen:
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Die Gleichstellung
ZAD und AStA
Gleichstellungsbeauftragte: Prof. Ulla von Brandenburg
TutorIn: Allmas
Kuratorin: Carmen Westermeier
Mitarbeit: Yul Koh
MIND THE GAP
28. bis 30. Januar 2025
Symposium der Gleichstellung an der Kunstakademie Karlsruhe über Machtstrukturen und Räume
Die Gleichstellung der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe veranstaltet e vom ein interdisziplinäres Symposium mit Vorträgen, Performance und Round-Table-Gesprächen zur Zugänglichkeit und den Machtstrukturen von und innerhalb von Räumen, sowie der Möglichkeit eines sozialen Miteinanders in der Kunst und Gesellschaft. Der Titel lautete: Mind the Gap.
Das Symposium begann mit einem Abendvortrag, der soziale Gerechtigkeit und inklusives Wohnen in den Fokus rückte. In weiteren Beiträgen und Diskussionen ging es um radikale Inklusion, Barrierefreiheit und die Frage, wie Räume als Machtstrukturen wirken. Künstlerische Performances und Vorträge beleuchteten zudem die Rolle von Architektur und Kunst als Mittel für gesellschaftliche Veränderung. Am Abschlusstag standen alternative Ausstellungskonzepte und die gesellschaftspolitische Funktion von Kunstinstitutionen im Mittelpunkt.
Die Vortragenden:
Van Bo Le-Mentzel: Architekt aus Berlin, Direktor der gemeinnützigen Tiny Foundation, spezialisiert auf Kleinstwohnungen und bezahlbaren Wohnraum.
Philipp Muerling: In schonungslosen Aktionen und Zeichnungen konfrontiert Philipp Muerling sein Publikum mit seinem Leben im Rollstuhl
Hannah Wahl: Der Vortrag fiel wegen Krankheit aus und wurde im Sommersemester 2025 als STÖRFAKTOR-Veranstaltung nachgeholt
Elke Krasny: Elke Krasny ist Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie forscht zu emanzipatorischen und transformativen Praxen in Architektur, Urbanismus, zeitgenössischer Kunst und transnationalen Feminismen mit Fokus auf sozialen und ökologischen Dimensionen von Sorge/Care.
Marilena Raufeisen: Marilena Raufeisen ist Künstlerin, Kunstvermittlerin, derzeit kuratorische
Veranstalter*innen:
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Die Gleichstellung
ZAD und AStA
Gleichstellungsbeauftragte: Prof. Ulla von Brandenburg
TutorIn: Sertag Özdemir
Yul Koh
Prof. Fabian Goppelsröder
how to fail the system
26. - 28. Mai 2026
Kunst soll… Was soll die Kunst in Zeiten wie diesen? Warum sollte sie überhaupt? Und was erwarten wir von ihr?
Ist Kunst Teil des Systems? Vielleicht. Und trotzdem kann sie stören. Hinterfragen. Dinge auseinandernehmen, aneignen, neu besetzen und zusammensetzen. Erwartungen unterwandern, Möglichkeiten eröffnen, neue und alte Wege begehen und alles nochmal wiederholen.
Das Symposium ist aus dem Wunsch entstanden, sich dem widerständigen, abseitigen, störrischen und eigensinnigen Charakter der Kunst zu widmen. Nicht bei der Analyse stehen zu bleiben, sondern hinzuschauen, was entsteht. Sich zu fragen, was möglich ist, und die Möglichkeiten zu ignorieren und zu wiederholen.
Das Scheitern im System ist keine Schwäche. Es ist eine Haltung, eine Idee, eine Möglichkeit. In unterschiedlichen Formaten werden Perspektiven auf das politische, poetische und widerständige Potential der Kunst präsentiert, ohne der Versuchung einer eindeutigen Antwort zu erliegen.Das Symposium lädt dazu ein, zu teilen, zu kritisieren und zu experimentieren. Eine Einladung – zum Denken, Zweifeln, Austauschen. Kommt vorbei.
Nicht Nabelschau und Egotrip, sondern Zusammenkunft und Fürsorge.
Die Vortragenden waren:
Sabeth Buchmann ist Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie ist Mitherausgeberin von PoLyPen., einer Buchreihe zu Kunstkritik und politischer Theorie (b_books, Berlin), Beiratsmitglied vonTexte zur Kunst, der European Kunsthalle und des documenta Instituts. Veröffentlichungen (Auswahl): Kunst als Infrastruktur (2023); Mit-herausgeberin von. Broken Relations: Infrastructure, Aesthetic, and Critique (2022); Mitherausgeberin von Putting Rehearsals to the Test.Practices of Rehearsal in Fine Arts, Film. Theater, Theory, and Politics (2016), Mitherausgeberin von artworks. Ästhetik des Postfordismus (2015). Sabeth Buchmann war an der Kunstakademie Karlsruhe bereits in der Reihe Riemschneider-Lectures zu Gast. Ihr Beitrag wurde auch in der dazugehörigen Publikationsreihe veröffentlicht.
Aterraterra (Fabio Aranzulla und Luca Cinquemani) ist ein kollaboratives Projekt, das seine Wurzeln in Kunst, Wissenschaft sowie ökologischer und artenübergreifender Forschung hat. Ihre Arbeiten untersuchen, wie Beziehungen zwischen Menschen und nicht-menschlichen Organismen gestaltet werden, hinterfragen dabei die Funktion von Kontrolle, Reinheit, Disziplin und Anthropozentrismus und entwerfen post-agrarische und post-linguistische Perspektiven. Durch räumliche Installationen, Fotografie, Klangarbeiten, Food-Performances und experimentelle Forschungsprojekte hinterfragt Aterraterra narrative Apparate und Formen der Disziplinierung von Lebewesen in den sprachwissenschaftlichen, wissenschaftlichen und botanischen Bereichen und spekuliert über experimentelle Zukunftsszenarien. Ihre Ausstellungen, Performances und Workshops fanden unter anderem an folgenden Institutionen statt: Istituto Svizzero, Rom; Museo Civico, Castelbuono; Design Museum London; Museum MMK für Moderne Kunst, Frankfurt; ZACentrale Fondazione Merz, Palermo.
Märy (kein Pronomen) verortet sich zwischen Kunst und Zerstörung. In der Arbeit mit Menschen versucht sie immer wieder ihre politischen Ideen einzubringen und zu reflektieren. Eine Frage, die sie hauptsächlich beschäftigt ist: Welche Rahmenbedingungen benötigen FLINTA*, um sich im urbanen Raum sicher und wohl zu fühlen und wie können wir diesen aktiv mitzugestalten?
Kathrin Hunze ist Medienkünstlerin und lebt in Berlin. Sie schloss ihr Studium an der Universität der Künste Berlin mit besonderer Auszeichnung als Meisterschülerin ab und hat einen Bachelor in Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Sie ist Vorstandsmitglied in dem Verein Multichrom Bonn. In ihren künstlerischen Arbeiten setzt sie sich mit den Mechanismen, Prozessen und ethischen Aspekten neuer Technologien sowie deren Auswirkungen auf komplexe Systeme auseinander.
Jonas Höschl (*1995, Regensburg) ist Konzeptkünstler und Fotograf. Für sein künstlerisches Werk, das die Medien Druckgrafik, Sound, Video und Installation umfasst, erhielt er unter anderem den Paula Modersohn-Becker Kunstpreis, den Bayerischen Kunstförderpreis für Bildende Kunst sowie den Deutschen Fotobuchpreis. In seinen druckgraphischen Werken und Videoarbeiten hinterfragt er das identitätsstiftende Potential politischer Systeme. Anhand von regionalen Politskandalen und europäischen Konflikten zeigt er die Entfremdung von einenden Idealen auf. Jonas Höschl eignet sich die zum Teil historischen Bildsprachen unterschiedlich ausgerichteter Ideologien an, um deren propagandistische Manipulation offenzulegen. Durch Rekontextualisierung verweist er auf die Referentialität von Zeitdokumenten. Seine Arbeiten werden international auf Festivals und in Institutionen, wie dem Krakow Photomonth, der Galleria Nazionale d‘Arte Moderna, dem FOTO WIEN Festival oder dem Kunstverein Hannover gezeigt. Er veröffentlichte die Kunstbücher “Fade Away Medley” (Das Wetter), “Politik von Medienbildern” (Hatje Cantz) und “80 Portraits: 73 Männer, 7 Frauen” (Verlag für moderne Kunst).
Die Künstlerin Käthe Kruse setzt sich über Grenzen und Genres hinweg und erweitert diese. Seit den 80er Jahren, als Teil des Westberliner Trios Die Tödliche Doris, arbeitet sie mit der Verschränkung von Musik, Text, Performance, Video undMalerei, entwickelt Formate, die sich nicht in herkömmliche Kategorien einordnenlassen. Die Gruppe arbeitete mit Transformationen, malte 44 großformatige Bilder, die als Super- 8-Film eine kaleidoskopische Bewegung darstellen, sie nähte Kissen als Musikinstrumente zum gedämpften Hineinschreien, die, mit Texten bestickt, alsKunstwerke ausgestellt werden. Die Tödliche Doris performte im Museum of Modern Art, New York, dem Musée d’ArtModerne, Paris, auf der documenta 8 in Kassel. Ihr letztes Konzert spielte sie 1988im Club Quattro in Tokio.
Programmgestaltung: Prof. Dr. Fabian Goppelsröder, Prof. Ulla von Brandenburg; Yul Koh, Jannis Burckhardt