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Date
2009/06/30
Location
Vortragssaal Reinhold-Frank-Str.81 / Vordergebäude

Katastrophen und Erinnerungen. Reality Fiction in den späten Filmen von Jean-Luc Godard

Prof. Dr. Klaus Theweleit

Professor Dr. Klaus Theweleit kehrt für einen Vortrag an seinen alten Wirkungsort zurück. Am Dienstag, 30. Juni, um 19 Uhr hält er einen Vortrag zu den späten Filmen von Jean-Luc Godard. Professor Theweleit befasst sich vor allem mit den Godard-Filmen Éloge d’amour und Notre Musique.

Fast singulär kann Notre Musique aufräumen mit all den Vorurteilen, die dem Regisseur Godard seit etwas mehr als einem Jahrzehnt entgegengebracht werden, nämlich, dass seine Filme theoretisch, abstrakt und unverständlich geworden wären. De facto kennt kaum einer die späten Filme, weil den Filmverleihen das Risiko offenbar zu groß ist, den außer Mode gekommenen Godard aufwändig ins Kino zu bringen.

Es stellen sich Fragen nach der Realitätskonstruktion; Fragen zum Verhältnis von Wörtern und Bildern, zum Verhältnis der Wörter und Bilder zu Handlungen und zu handelnden Personen, Menschen, die sich bei Godard nicht mehr zu »Charakteren« ausbilden wollen; zu Subjekten ihrer Geschichte. Der Erfindungsreichtum des alten Godard steht dem des jungen dabei in keiner Weise nach. Er ist höchstens noch mutiger geworden, radikaler im Umgang mit fixierten Kinoformen.

Historischer Bezugspunkt der beiden Filme sind Kriege: in Notre Musique der bosnische Krieg Mitte der 1990er Jahre, in Éloge d’amour der 2. Weltkrieg und die französische Résistance. Dennoch sind sie alles andere als Kriegsfilme. Sie sind vielmehr die bildlichen Reflexionen um die Frage: Was ist ein Bild – auf die sich der beinahe 80-jährige Godard nicht scheut, bescheiden (und immer im Glanz entfalteter Selbst-Ironien) zu antworten: ich weiß es (vielleicht) immer noch nicht.