Dr. Ludwig Drosch: Men would rather build a fascist war machine then go to therapy

Wie kann man Unterwerfung begehren? Diese gezielt naive Frage nimmt der Vortrag von Dr. Ludwig Drosch als Ausgangspunkt, um faschistisches Begehren zu beleuchten. Der Begriff des faschistischen Begehrens wurde maßgeblich durch die Philosophen Deleuze & Guattari eingebracht, um die Bewegung der Faschisierung zu beschreiben: Faschistisches Begehren durchdringt Kollektive. Individuen begeben sich auf seine Linie. Es fließt, steckt an, eskaliert, entfaltet sich in technisch-politisch-ökonomischen Gefügen. Es nährt sich am (neo-)liberalen, verdinglichenden und intensiviert autoritäres Begehren.
Unter Rückgriff auf klassische und zeitgenössische Theorien der Faschisierung möchte Drosch einige zentrale Muster vorstellen, die faschistisches Begehren charakterisieren: Projektion, Abspaltung, Paranoia, „Sicherheit“ als Kontrolle und Zerstörung, (Phantom)Besitzverteidigung, Preisgabe von Leben, das paradoxe Wechselspiel von Machtgewinn und Ohnmacht, von Opferrolle und Triumphalismus, Phantasmen, Eskalation…
Dabei möchte der Vortrag die Körperlichkeit und Affektivität dieser Prozesse hervorheben, als einen der Reaktivität – ein erlernter Modus von Körperlichkeit, den buddhistische Autoren sowie die zeitgenössische Bindungs- und Traumatheorie beleuchten. Körper fügen sich in reaktive Ketten, die (digitale) Medien, Subkulturen, Sicherheits- und Militärapparate und ökonomische Machtverhältnisse umfassen, unter Aufsuchung einer (realen und/oder phantasmierten) Dominanz-Position, die ein Abreagieren „nach unten“ und gefühlten Machtzufluss bieten.
Dem möchte der Referent abschließend Modi antifaschistischer Affektivität entgegenhalten, die wir vom Buddhismus und der Dichterin, Aktivistin und Essayistin Audre Lorde lernen können.
Ludwig Drosch wurde 1991 in Berlin geboren und lebt und arbeitet dort. Nach Studium der Mathematik und Philosophie und einem einjährigen Aufenthalt in einem Zen-Kloster bei Strasbourg promovierte er an der Uni Hildesheim zu „Praktiken des Unsinns“ (erscheint Ende 2026 bei transcript). Die Arbeit erforscht Unsinns-Erfahrungen und -praktiken, indem sie philosophische Ansätze kombiniert mit der Betrachtung konkreter Praktiken (Unsinnsdichtung, Memes/Reels, Slapstick, Camp, Performances, Clowning, Kynismus, Dada…), sowie mit zen-buddhistischen meditativen Praktiken, die in einem Loslassen des Strebens nach Sinn Unsinns-Momente zeitigen. Aktuell entwickelt er ein Forschungsprojekt zur Philosophie des Begehrens, das Ressourcen aus dem Buddhismus, Spinozismus und deleuzianischem Denken in Reibung bringen soll, um ethische, ästhetische und politische Potentiale aufzuzeigen.
Dienstagsvortragsreihe
Dr. Ludwig Drosch
Dienstag 23. Juni 2026 um 19:00 Uhr
Vortragssaal
Kunstakademie Karlsruhe
Reinhold-Frank-Straße 81
76133 Karlsruhe
Livestream
kunstakademie-karlsruhe.de/livestream