Mathieu Bessey: Francis Picabia – Reproduction interdite

Mathieu Bessey berichtet über die Arbeitsweise von Francis Picabia
Mathieu Bessey hat in den vergangenen Jahren Magritte und Picabia dekonstruiert, um ihre künstlerische Methode im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit aufzuspüren, und es möglich gemacht, auf den Stühlen von Fantômas Platz zu nehmen.
Bastiaan David van der Velden
Seit 2022 realisiert Mathieu Bessey Ausstellungen zum modernen Mythos der Figur des Fantômas, die u.a. in Hamburg, Bern, Zürich und Leipzig gezeigt wurden. Seine künstlerischen Arbeiten, seine Malereien und Installationen basieren auf weitverzweigten Recherchen. Sie untersuchen wie populärkulturelle Quellen in Kunst und Geschichte fortwirken und unterstreichen so in der Praxis die Suche nach dem nächsten Bild.
In seinem Vortrag geht er auf Francis Picabia (1879-1953) ein. Der Künstler begann seine Laufbahn um 1900 mit impressionistischen Gemälden. Ungewöhnlich an ihnen war nicht nur ihr großes Format; sie wurden auch nicht „authentisch“ pleinair sondern nach Postkarten gemalt. Es entstanden die sogenannten Monster-Bilder in den 1920er-Jahren nach Kitschpostkarten, die Transparenzen (Ende 1920er-/Anfang 1930er-Jahre) nach Motiven aus der Kunstgeschichte. Postkarten, eine Ausstellung mit Landschaften in den späten 1930er-Jahren, basiert komplett auf Postkarten südfranzösischer Landschaften und die Aktbilder der 1940er-Jahre gehen auf Vorlagen aus Pin-up Magazinen und wiederum Postkarten zurück.
Dass Picabia auf diese Weise zu seinen Motiven kam, war zum Teil bekannt, nicht aber, in welchem Umfang dies geschah. Noch überraschender ist, dass auch weitere Künstler*innen wie Max Beckmann, Salvador Dali, Robert Delaunay, Sonia Delaunay-Terk, Georges Hugnet, Man Ray, René Magritte, Marcel Mariën, Henri Matisse, Roland Penrose und Jacques Prévert nach oder mit Postkarten arbeiteten. Die legt der Vortrag offen.
Mathieu Bessey war 2016 bis 2022 Mitorganisator des 8. Salons, eines Ausstellungsraums in Hamburg / St. Pauli. Ziel des 8. Salons war und ist es, einen Raum für den regionalen, nationalen und internationalen Austausch von Künstler*innen, Forscher*innen und kunstinteressiertem Publikum zu schaffen. Dabei liegt der Fokus auf grenzüberschreitender, experimenteller Kommunikation sowie der Verbindung von Produktion, Forschung und Konzeption. Im 8. Salon leitete er die Forschungsgruppe zu den „Ephemera der Moderne“ und kuratierte im Rahmen dieser Forschungen Ausstellungen zu René Magritte und Francis Picabia. Seit längerem forscht er zu den Fantômas-Romanen. Der erste Roman erschien 1911 und begeisterte sofort Dichter*innen sowie Künstler*innen der Avantgarde.
Dienstagsvortragsreihe
mit Mathieu Bessey
Dienstag 21. April um 19:00 Uhr
Vortragssaal
Kunstakademie Karlsruhe
Reinhold-Frank-Straße 81
76133 Karlsruhe
Livestream
kunstakademie-karlsruhe.de/livestream