Martin Beck: Vibes

Vibes. Affekte und Atmosphären in der postdigitalen Gegenwartsästhetik
Vibes sind atmosphärische und affektive Qualitäten, die von Situationen, Personen oder Dingen ausgehen. Sie werden diffus gefühlt und sind oft nur schwer in Worte zu fassen. Dass heute viel von Vibes gesprochen wird, hängt eng mit der Funktionsweise der sozialen Plattformen zusammen. Die Rede vom ‚Vibe Shift‘ bezeichnet etwa, wie sich politische Veränderungen dort als Wandel im allgemeinen Lebensgefühl zeigen. Eine wichtige Rolle spielt der Vibe in ästhetischen Genres wie Vaporwave, Dreamcore oder Dark Academia, in denen es um die Erzeugung von Atmosphären und Stimmungen geht, oder Contentkategorien wie Cute, Cursed oder Cringe, die Affekte verschlagworten und konsumierbar machen.
Der Vortrag stellt Funktionsweisen von Vibes in den sozialen Medien dar, entwickelt Ansätze zur Theorie der Vibes und fragt nach ihrer Bedeutung für die ästhetische Praxis. Betrachtet wird, wie das philosophische Nachdenken über Stimmungen, Atmosphären und Affekte unter den medialen Bedingungen der Plattformökonomie aktualisiert werden kann. Eine vibeologische Lektüre von Genres wie Technoromantizismus und Solarpunk soll zeigen, wie Vibes durch ästhetische Praktiken erzeugt werden und in welchem Verhältnis sie zu gesellschaftlichen Krisen stehen. Kritisch hinterfragt wird das Konzept des Vibes schließlich mit Blick auf die Ästhetik generativer KI und das Verhältnis von Kunst und Content.
Martin Beck ist Philosoph, Kunst- und Designtheoretiker und seit April 2025 Gastprofessor für Theorie und Geschichte des Designs and der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Künste Berlin und Lecturer an der Rhode Island School of Design. Im Zentrum seiner Forschungen stehen postdigitale Medienästhetiken, insbesondere die Affizierbarkeit und Plastizität von Körpern im Spannungsfeld von Plattformökonomie und digitaler Videoinstallationskunst. Er ist Redaktionsmitglied des Internationalen Jahrbuchs für Medienphilosophie und Medienästhetik und war an zahlreichen Ausstellungsprojekten im Feld der Gegenwartskunst beteiligt, zuletzt ‚fühle meinen körper sich von meinem körper entfernen‘ (Heidelberger Kunstverein 2016/2017). Im Rahmen seiner Forschungen sind zuletzt erschienen: „Messy States. Medienästhetik und postdigitale Kunst“ (2024) im Internationalen Jahrbuch Medienphilosophie und Medienästhetik sowie „Living rent-free in your head. Affektive Kopplungen, Verhaltensdesign und das Nichtbewusste in der Plattformökonomie“ (2025) in der Zeitschrift für Medienwissenschaft.
Dienstagsvortragsreihe
mit Martin Beck
Dienstag 25. November 2025 um 19:00 Uhr
Vortragssaal
Kunstakademie Karlsruhe
Reinhold-Frank-Straße 81
76133 Karlsruhe
Livestream
kunstakademie-karlsruhe.de/livestream