Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe

Landeslehrpreis für Prof. Dr. Christina Griebel

Die Lehrstuhlinhaberin für Bildungswissenschaften und Fachdidaktik Kunst wurde in Stuttgart von der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer, für das integrative Seminarprojekt „outside“: Kunststudierende kooperieren mit Wohnsitzlosen ausgezeichnet.

Mit ihren Seminarprojekten schlägt Prof. Dr. Christina Griebel eine Brücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Hochschule und Stadt sowie aus der Mitte zu den Rändern der Gesellschaft. Ihr Konzept ermöglicht die nachhaltige Zusammenarbeit von Lehramtsstudierenden mit heterogenen, von Diversität und Benachteiligung tangierten Personengruppen, fördert methodische Innovationen in der künstlerischen Praxis beider Zielgruppen und leistet einen Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt und der Region in Form von vermittlungsbetonten Ausstellungsformaten.

Besondere Tragweite zeigt die Kooperation der AdBK mit der Tageseinrichtung TafF (Sozpädal Karlsruhe) für wohnungslose Frauen, denn beide Gruppen haben vieles gemeinsam – zum Beispiel Konkurrenz um bezahlbaren Wohnraum und das Wissen um gesellschaftliche Ausschlussmechanismen. Seit 2017 treffen sich Studierende und Personen ohne Wohnung regelmäßig zur künstlerischen Arbeit. Dabei werden Kommunikationsformen, Gemeinsamkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten der Lebensformen aller Beteiligten erkundet. Die Studierenden übernehmen Verantwortung in der Gestaltung der Situationen, beraten individuell in künstlerischen Fragen, begegnen unvorhersehbaren künstlerischen Äußerungen, lernen biographische Brüche und deren Hintergründe, gesellschaftliche Ausschlussmechanismen und den – oft kreativen – Umgang der betroffenen Personen damit kennen.

Die Resultate der Kooperation werden regelmäßig durch Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und finden breite Resonanz in Stadt und Region. Die Ausstellungen folgen einem Leitgedanken: Es gibt keine Unterscheidung von „outside“ und „akademischer Kunst“. Im Feld des Visuellen ist Augenhöhe (im Wortsinn) möglich.

Es ist das erste Mal, dass eine Vertreterin der Lehre an der Kunstakademie Karlsruhe diesen Preis erhält. „Im Wintersemester 2017/18 und im darauf folgenden Sommersemester überraschte uns Prof. Dr. Griebel mit Ihrem Projekt „outside“. Es zeichnete sich durch eine außergewöhnlich entgegenkommende Offenheit aus und gewann auch dadurch seine Schönheit, dass es sehr verschiedene Menschen in sehr verschiedenen Lebenssituationen über einer gemeinsamen Sache, der Näherung an die Kunst, versammelte“, äußerte sich der Rektor der Karlsruher Kunsthochschule, Prof. Harald Klingelhöller, zu Verleihung des Landeslehrpreises an ein Mitglied seines Kollegiums. “Das hat uns darin bestärkt, dieses Projekt für den Landeslehrpreis vorzuschlagen und wir freuen uns für Prof. Dr. Griebel und auch für die Akademie über die Zustimmung und die Auszeichnung des Projektes durch die Verleihung des Preises.“ Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer, ging in ihrer Ansprache bei der Preisverleihung in Stuttgart ebenfalls auf das Seminarprojekt von Prof. Dr. Christina Giebel ein: „‘Outside‘ ist nicht nur eine Schule für Kunstlehrerinnen und -lehrer. Sie ist auch ein hervorragendes Beispiel, wie gesellschaftliche Teilhabe an Kunst und pädagogische Ausbildung von Lehramtsstudierenden funktionieren kann - zur Bereicherung der Gesellschaft.“

Die Kunst- und Musikhochschulen sowie die Duale Hochschule Baden-Württemberg werden seit 2013 in die Vergabe des Landeslehrpreises miteinbezogen. Die Preissumme beträgt je Preisträger und Hochschule 50.000 Euro und ist für den Lehrbereich des Preisträgers bestimmt. Der Landeslehrpreis wird alle zwei Jahre – im Wechsel mit dem Landesforschungspreis – vergeben.